Samstag, 21. November 2015

The Witcher 3 (PS4)




So treffen wir also endlich aufeinander weißer Wolf, sagte ich innerlich zu mir selbst, als ich die Packung des Spiels öffnete. Und sogleich wurde ich durch einige nette Beigaben und eine Dankeskarte seitens der Entwickler begrüßt. Leider ist der dritte Teil der Fantasy-Reihe der erste Part, welchen ich spielen durfte. Ich sage hier leider, weil ich nach diesem Abenteuer liebend gerne auch die ersten beiden Spiele gezockt hätte. Doch zurück zu Geralts drittem Abenteuer.

Die Story selbst und die meisten Qualitäten sollten jedem halbwegs informierten und interessierten Gamer bekannt sein. In der Welt des Hexers treiben grauenvolle Geschöpfe ihr Unwesen. Um diese Kreaturen zu erledigen werden die eben genannten Hexer angeheuert. Doch seit dem erstmaligen Erscheinen dieser Wesen ist viel Zeit ins Land gegangen und die Schulen der Hexer verschwanden nach und nach. Mittlerweile gibt es nur noch wenige die diesen Beruf ausüben. Geralt sieht es zumindest positiv: Immer genügend Arbeit.

Schon der Beginn der Story ist wesentlich gemächlicher inszeniert, als etwa der Einstieg in die Welt von Dragon Age 3. Natürlich gibt es auch hier Action, aber im Zentrum erzählt The Witcher 3 die Geschichte einiger wenigen Charaktere und Geralts Suche nach seiner Ziehtochter Ciri. Nebenbei werden dann doch einige weitreichende Entscheidungen getroffen, welche aber sehr dezent inszeniert wurden. Somit wirkt the Witcher 3 stets glaubhaft. Man ist sofort von den einzelnen Charakteren überzeugt und hinterfragt an keiner Stelle: „Warum muss diese wichtige Entscheidung denn nun genau mein Hauptcharakter treffen?“ Etwas das in Dragon Age Inquisition leider etwas vernachlässigt wurde. Oftmals stößt Geralt an seine Grenzen und muss andere Wege gehen um auf seiner Reise zu bestehen. Er benutzt Magie, besticht Leute, oder erledigt unangenehme Aufträge um an sein Ziel zu kommen. Dabei trifft er auf jede Menge interessanter Personen. Überall, selbst in den lächerlichsten Nebenaufgaben, lauern Geschichten und Details, die das Rollenspiel klar von den meisten seiner Mitbewerber abheben kann. Hier geht es nicht immer vorrangig darum, was man nach dieser Aufgabe erhält? Nein. Nicht die Anzahl der EXP, nicht das neue Schwert stehen hier im Vordergrund. Stets ertappte ich mich dabei in belanglosen Sidequests fern ab der Hauptstory ab zu schweifen, nur um zu erfahren, wie die einzelnen Geschichten ausgehen. Dabei ist es oftmals dem Spieler selbst überlassen wie diese Aufgaben enden.

Ganz besonders zu loben ist auch das knackige Kampfsystem, welches eine optimale Balance aus Fähigkeitenverteilung, Ausrüstung und Spielergeschick in sich bündelt. Denn egal wie mächtig die aktuelle Hexerausrüstung auch sein mag, selbst gleichrangige Gegner können zur Gefahr werden, sollte man unachtsam sein. Ganz besonders knifflig sind die hochrangingen Monsterjagden. Einziger Kritikpunkt am Kampfsystem ist eigentlich nur die Tatsache, dass sich die Kämpfe nach einiger Zeit alle relativ gleich spielen und die einzelnen Fähigkeiten zu wenig variieren, weshalb man nach wenigen Stunden seinen festen Kampfstil gefunden hat, welchen man dann normalerweise über die restliche Spieldauer bei behält. In Skyrim konnte man zB jederzeit seinen Spielstil anpassen und von einem Draufgänger für den nächsten Auftrag zum Schleicher oder zum Bogenschützen werden.

Audiovisuell gesehen ist the Witcher 3 aber ohne Zweifel ein Brett. Tolle Grafik, eine wunderschöne, lebendige und ebenso faszinierende Welt ergänzt von einem grandiosen Soundtrack und wahnsinnig viel zu entdecken. Zudem ist die deutsche Lokalisierung sehr gelungen. Mittlerweile wurden auch kleinere technische Probleme behoben, welche bei mir zum Glück sowieso beinahe gänzlich ausblieben. Ich bemerkte nur nervende Ladezeiten während des Spazierens durch Novigrad, nachdem meine Konsole über eine Stunde aktiv war. Ansonsten lief meine Version einwandfrei.


Fazit: The Witcher 3 ist ein Traum von einem Rollenspiel. Es lebt vor allem von seinen unzähligen kleinen Geschichten, die jede noch so belanglose Aufgabe zur besten Unterhaltung emporheben. Belustigende Nebenaufgaben ergänzen einige denkwürdige Szenen der Geschichte. Sieht man über die mangelnde Abwechslung im ansonsten fabelhaften Kampfsystem und die kleineren technischen Mängel hinweg, ist man bereit in eine faszinierende Welt voller Leben ein zu tauchen. The Witcher 3 ist nichts anderes als höchste Rollenspielreferenz. Wenn auch nicht in allen Teilbereichen. Für mich ein Meisterwerk der polnischen Jungs von CD Projekt RED. Danke für dieses Hammergame!

-euer Genesis

PS: Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten DLC und natürlich ganz besonders auf Cyberpunk!

Freitag, 30. Oktober 2015

Death Parade (Anime)





Guten Abend und willkommen im Quindecim. Mein Name ist Decim. Ich werde heute Abend Ihr Barkeeper sein. So oder so ähnlich werden die Gäste im Anime Death Parade im zwielichtigen Lokal empfangen. Was sie noch nicht wissen: Sie sind bereits tot und werden bald ein Spiel um ihre Seele ausfechten.

Jeder Mensch der stirbt, kommt vor einen Richter. Decim ist einer dieser Personen. Puppenhafte, emotionslose Wesen, die über die Zukunft der Seele des Dahingeschiedenen entscheiden werden. Die Teilnehmer dieser Spiele wissen jedoch weder dass sie tot sind, noch dass ihre Handlungen ihr Schicksal bestimmen werden. Es wurden ihnen nämlich ihre Erinnerungen entzogen. Decim stellt also ihre Seele auf die Probe. So entscheidet sein Urteilsspruch darüber ob der Verstorbene wiedergeboren wird oder nicht.

Der Mystery Anime basiert weder auf einem Manga, noch auf einer Light Novel und ist in 12 Folgen abgeschlossen. Der Zeichenstil ist sehr detailliert und erinnert entfernt an Animes wie Death Note oder Kiseijuu, würzt das ganze aber mit einigen typischen japanischen Elementen wie surreale Augen- oder Haarfarben. Das passt aufgrund der Thematik jedoch hervorragend zum Setting und unterstreicht die Handlung wunderbar. Ebenfalls zu bemerken ist der fantastische Soundtrack. Auch hier gelang Madhouse erneut ein Volltreffer.


Das Intro ist ein wenig irreführend, denn obwohl es sehr gelungen ist und der Anime keinesfalls ein ernster Brocken ist, so trifft das Ending eher den Ton der Serie.



Fazit: Death Parade lässt aufgrund des Openings auf einen „bunten“ Anime schließen. Doch bis auf einige humoristische Einlagen schneidet die Serie einen gänzlich düstereren Ton an. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass Death Parade ein finsterer Thriller á la Death Note oder Jin-Roh ist. Es schafft eine perfekte Symbiose aus tristen und farbenfrohen Bildern und geizt auch nicht mit Emotionen. Es ist wirklich überraschend, wie schnell man die Charaktere lieb gewinnt. Im Laufe der Geschichte punktet der Titel sogar durch einige richtig grandiose Szenen. Der einzige Punkt der mich gestört hat, ist die unscharfe Hintergrundgeschichte, die natürlich auch der kurzen Laufzeit geschuldet ist. Für sich gesehen ist Death Parade aber ganz klar ein Toptitel! Knapp vorbei am Meisterwerk.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Crimson Peak (Kino)







Die junge Edith Cushing wird bereits als Kind von dem Geist ihrer verstorbenen Mutter heimgesucht. Immer wieder wart der Geist sie vor „Crimson Peak“. Lange weiß Edith nichts damit an zu fangen und der Geist verschwindet. Jahre später ist sie eine aufstrebende Schriftstellerin, die es in der reinen Männerdomäne jedoch alles andere als einfach hat. Eines Tages trifft sie auf den charmanten Thomas Sharpe. Einen britischen Adeligen, der Ediths Vater – ein weltbekannter Bauunternehmer – um einen Kredit für sein neues Projekt ansucht. Schnell verfällt die junge Schriftstellerin seinem Charme. Im Gegensatz zu ihrem Vater. Und während sich zwischen Edith und Thomas eine romantische Beziehung entwickelt, lauert im Ungewissen die Warnung von Edith’s Mutter. Hüte dich vor Crimson Peak.

Insgesamt gibt sich der Film viel zahmer als es einige Trailer und der bekannte Horror-Regisseur vielleicht vermuten lässt. Man kann wohl sagen, dass Del Toros aktueller Film eine Mischung aus Liebesdrama und Kostümfilm mit Grusel- und Schockmomenten geworden ist. Das muss aber durchaus nichts schlechtes sein.

Fazit: Crimson Peak gehört sicher nicht zu Del Toros besten Werken und Pan’s Labyrinth zeigte schon einmal, dass die Kombination mehrerer Genres noch besser gelingen kann. Dennoch überzeugt Crimson Peak als homogene Mischung aus Romanze, Drama und surrealem Gruselfilm. Wer einen Horrorstreifen erwartet könnte jedoch enttäuscht werden.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Verschwörung - David Lagercrantz (Roman)






Nach der famosen Millennium-Trilogie kommt mit „Verschwörung“ nun endlich der Nachfolger des Schwedenkrimis mit Suchtpotential. David Lagercrantz setzt unter offiziellem Auftrag von Larssons Familie und mithilfe dessen Aufzeichnungen, die Geschichte um Lisbeth Salander und Co fort.


Kalle Fucking Blomkvist is back

Seit den Geschehnissen rund um die Sonderabteilung des schwedischen Sicherheitsdienstes sind einige Jahre vergangen. Mikaels Ruf ist beinahe alles was er noch hat. Denn obwohl die Zeitschrift einigermaßen gut läuft, steuern die Journalisten auf eine neue Krise zu. Und diesmal hat Mikael keine Hammerstory parat um das Ruder doch noch herum zu reißen. Und sollte das nicht schon hart genug sein, droht auch eine komplette Neuausrichtung des Magazins. Angeordnet vom neuen Anteilseigner. Ein großes schwedisches Medienunternehmen hatte Erika und Co schlussendlich doch dazu gebracht enorme Anteile der Zeitschrift zu verkaufen. Und auch von Lisbeth fehlt jede Spur. Just zu dieser Zeit gerät Mikael in einen Verzwickten Konflikt rund um den IT-Experten Dr. Frans Balder. Wie durch Zufall stößt er im Laufe dieses Vorfalles auch auf seine alte Freundin Salander. Der alte Journalistengeist erwacht in Mikael und sein Instinkt lotst ihn zu einem international brisanten Fall über Industriespionage, Verbrecherbanden und einen autistischen Jungen, der schon bald eine essenzielle Rolle spielen wird.

Lagercrantz schafft es tatsächlich die von Larsson geschaffene Grundstimmung zu bewahren und führt seine ausgefeilten Figuren in ein neues Kapitel. Natürlich deckt sich sein Stil nicht vollkommen mit dem des Originalautors. Und das merkt man vor allem, wenn man kurz zuvor die originale Trilogie gelesen hat. Alles wirkt natürlich moderner. An manchen Stellen aber etwas zu künstlich und gewollt. Hin und wieder spürt man beim Lesen, dass Lagercrantz die Charaktere in von Larsson gegebene Pfade führt. Dabei konnte er sich selbst wahrscheinlich nicht vollkommen frei und kreativ austoben. Dennoch wirken die meisten Storyverläufe, bis auf einige Charakterentscheidungen schlüssig. Man erkennt seine Lieblingscharaktere sofort wieder, bemerkt aber auch eine Veränderung an ihnen. Was im Bezug auf die inhaltlich vergangene Zeit vielleicht aber auch gar nicht so schlecht ist. Denn ansonsten nimmt einen der neueste Teil aus der Millennium-Reihe fast genauso mit wie die Klassiker. Lediglich die weit verzweigten und simultan stattfindenden Nebenstränge der Geschichte sind bei Lagercrantz deutlich kürzer und in ihrer Zahl geringer ausgefallen, als es noch bei Larsson der Fall war. Schade ist auch, dass viele Figuren zu unwichtigen Nebencharakteren verkommen. Man denke hier nur an den guten Bublanski.


Fazit: Genug der Vergleiche! Verschwörung braucht sich keinesfalls hinter seinen grandiosen Vorgängern verstecken und liefert tatsächlich eine spannende Story mit glaubhaften Charakteren. Man spürt zwar an vielen Stellen dass Larsson es vielleicht anders geschrieben hätte, doch idas Fortsetzen des Werkes eines anderen ist ja immer eine Gratwanderung.. So wird es Verschwörung zwar nie ganz mit den ersten drei Teilen aufnehmen können, es muss sich aber auf keinen Fall in dessen Schatten verstecken. Und vielleicht schafft es Lagercrantz ja mit dem nächsten Teil wieder die bisherige Qualität zu erreichen?


Dienstag, 20. Oktober 2015

Solanin - Inio Asano (Manga)





Was geschieht wenn dein Leben dich nicht erfüllt? Wohin gehen deine Träume, wenn du einen anderen Weg gehst? Und ist es jemals zu spät um einfach nur zu „leben“? Diese Fragen stellt der Mangaka Inio Asano in seinem Werk Solanin.

Der zweibändige Manga erzählt die Geschichte des jungen Pärchens Meiko und Taneda. Die beiden Mittzwanziger sind seit ihrer gemeinsamen Studienzeit zusammen und versauern in eintönigen Bürojobs. Meiko träumte stets von mehr im Leben und auch ihr Freud Taneda schwindet in Gedanken an den einstigen Traum einer eigenen Band. Also ihr eines Tages bewusst wird, dass ihre Arbeit sie mehr und mehr auffrisst, kündigt sie kurzerhand und beschließt erst einmal die Einfachheit des Lebens zu genießen. Mit neuem Mut beflügelt sie Taneda wieder stärker an seiner Band zu arbeiten und schon bald scheint dieser Neustart einen Wendepunkt markieren zu können.

Solanin gibt tolle Einblicke in das Leben junger Erwachsener Japans. Dabei steht das Werk jedoch nicht nur für die japanische Jugend. Es beschreibt Ängste, Träume und Hoffnungen und stellt viele Probleme der heutigen Zeit in einem sympathischen Charakterensemble dar. Dabei wirkt der Manga niemals überspitzt und selbst in übertriebenen Szenen verliert die Geschichte niemals seine Glaubwürdigkeit. Der Zeichenstil selbst ist erfrischend anders und sehr detailliert. Er passt hervorragend zur Story und unterstützt die Handlung.


Fazit: Solanin ist garantiert kein Manga für Jedermann. Dennoch sollte ihn meiner Meinung nach jeder gelesen haben. Gerade junge Erwachsene werden sich schnell in die Geschichte und seine Figuren verlieben. Einige werden sich vielleicht sogar selbst darin wieder erkennen. Inio Asasno erschuf hier ein simples, aber grenzgeniales Werk über die Ungewissheit des Lebens und den Mut neue Kraft zu schöpfen. Lediglich die kurze Dauer der Story schlägt sich etwas auf den sonst so fantastischen Gesamteindruck.
 

Sonntag, 11. Oktober 2015

Schöne neue Welt - Aldous Huxley (Roman)




Wer Orwell kennt und mag, dem wird auch Huxleys Zukunftsdystopie ein Begriff sein. Wer keine Ahnung davon hat, sollte jetzt lieber weiter lesen, denn auch Huxleys Vision ist zu gleichen Teilen faszinierend und verstörend.


Auch in der schönen neuen Welt, dreht sich alles um ein ausgeklügeltes Regierungs- und Kontrollsystem, welche die Mächte der gesamten Welt kontrollieren. Doch im Gegensatz zu Orwells großem Bruder, welcher seine Bürger durch Angst, Kontrolle und Überwachung zur Anpassung zwingt, sind es im Huxleys Zukunftsvision die Bürger selbst, die für Ordnung sorgen. Ihr ganzes Leben lang werden die Bewohner dieser Zukunft konditioniert und sozusagen dazu erzogen ihr jeweiliges Leben als gut zu befinden und jegliche Änderung ab zu lehnen. Die Armen sind glücklich über ihr bescheidenes Leben, während die Reichen froh darüber sind, keine körperliche Arbeit zu verrichten. Für jedes Organ und jede Position dieser komplexen und doch einfachen Welt, gibt es Menschen, die von klein auf trainiert werden. Und das ganze geht noch viel weiter. Sex zur Fortplanzung ist längst passé und eine Mutterschaft gilt als Grund um von der Gesellschaft verstoßen zu werden. Mittlerweile werden vorgefertigte und bis zur Perfektion konstruierte Menschen in Laboren am Fließband erschaffen. Das reicht vom individuellen "Alpha" mit jeglichen menschlichen Vorzügen, bis hin zum abgestumpften "Epsilon". Jeder hat seine Stellung in der Gesellschaft und ist obendrein noch glücklich darüber!

Dass solch ein perfektioniertes System jedoch auch einige schwarzen Schafe zum Vorschein bringt dürfte allerdings auch klar sein. Bisweilen konnten andersartige Weltanschauungen jedoch durch spezielle Drogen und jederzeit frei verfügbaren Sex ausgeglichen werden. Monogamie ist verpöhnt. Liebe ein Fremdwort. Einer dieser Freidenker ist Bernard Marx. Er gilt als besonders intelligenter Mann und dennoch halten viele seiner Mitmenschen ihn für einen komischen Kauz. Lediglich die hübsche Lenina Crowne, welche ihn bald näher kennen lernt, scheint Symphatie für ihn zu hegen. Er möchte Sie unbedingt beeindrucken und schlägt ihr eine einmalige Reise vor. Und so fliegen sie gemeinsam in ein entlegenes Wildlingsreservart in dem es noch veraltete Gesellschaftswerte wie Familie oder Liebe gibt. Ursprünglich eher als "Studienausflug", oder zur Belustigung geplant, wird schon bald Leninas und Bernards Weltbild in ihren Grundfesten erschüttert und der Wilde "John" sorgt in der zivilisierten Welt für gigantische Furore.

Fazit: Genau wie Orwell, versteht sich auch Huxley hervorragend darauf eine glaubhafte und zugleich erschreckende Welt zu erschaffen in denen viele abschreckende Gesellschaftsapparate existieren, die vielleicht nicht immer so abwegig erscheinen. Dutzende male findet man Parallelen zur heutigen Gesellschaft und man merkt an jeder Ecke, dass der Autor im speziellen die Konsumgesellschaft der USA kritisiert. Schöne neue Welt ist sozusagen das kapitalistische Gegenstück zum kommunistisch geprägten 1984 und mindestens genauso faszinierend. Wer einen Faible für dystopische Romane hat, muss dieses Werk gelesen haben!

Dienstag, 15. September 2015

Stieg Larsson – Millenium-Trilogie (Buch)

Ich freue mich über eure Kommentare :)



Verblendung / Verdammnis / Vergebung


Mikael Blomkvist gilt in Schweden als einer der engagiertesten Aufdeckungsjournalisten in der Wirtschaftsbranche. Doch als er die Machenschaften des Moguls Hans-Erik Wennerström aufdecken will, unterläuft dem sonst so bedachten, auch „Kalle Blomkvist“ (Nach Astrid Lindgrens Kinderbuch Kalle Blomquist) genannt, Reporter ein grober Schnitzer. Es beginnt ein Gerichtsprozess der jedoch nach hinten los geht. Mangels Beweisen seitens Blomkvist, leitet Wennerström einen Gegenprozess ein in dessen Verlauf Mikael zu mehreren Monaten Haft verurteilt wird. Ein herber Schlag für den Journalisten. Ebenso wie für seine Zeitschrift Millennium, welche ohnehin seit einiger Zeit über immer weniger Absatz und Einbruch bei den Werbeanzeigen klagt. Blomkvist steht kurz davor in eine Depression zu fallen. Just in dieser Zeit erhält er eine mysteriöse Nachricht vom Großindustriellen Henrik Vanger, seines Zeichens Vorstand des international tätigen Vanger Konzerns. Ohne zu wissen auf was er sich einlässt, folgt Mikael der kryptischen Nachricht und verwickelt sich bald schon in eine waschechte Familientragödie, welche weit über das übliche Maß hinausschießt. Mit neuem Arbeitsgeist gewappnet sitzt Mikael seine Haftstrafe ab und nimmt sich eine Auszeit bei seiner geliebten Zeitschrift. Stattdessen fährt er weit in den Norden um das Geheimnis der Familie Vanger zu ergründen. Im Laufe dieser Ermittlungen gerät er an Lisbeth Salander, eine mehr als außergewöhnliche junge Frau und obendrein eine Koryphäe auf dem Gebiet des Computerhackens. Gemeinsam ergründen sie düstere Geheimnisse und legen im Erstling Verblendung den Grundstein für eine außerordentliche Krimiserie.

Zentrum der Handlung sind stets dessen Figuren. Larsson nimmt sich extrem viel Zeit seine Figuren in beinahe belanglosen Situationen extrem detailliert aus zu arbeiten. Das mag einige vielleicht abschrecken, ergänzt jedoch die Glaubhaftigkeit seines Werkes. Jede noch so kleine Nebenfigur bekommt zumindest einen kurzen Abriss seiner Lebensgeschichte und jede Handlung war für mich vollkommen nachvollziehbar. Besonders Mikael und allem voran Salander faszinierten mich bis zum letzten Satz. Doch auch Erika Berger, Kommissar Bublanski, Sonja Modig und viele andere überzeugten durchweg durch eigene Handlungsstränge und Abwesenheit der Stereotypie. Die Geschichte selbst beginnt sehr langsam in Fahrt zu kommen. Schafft es jedoch durch kurze Hinweise immer wieder an Spannung auf zu bauen. Richtig interessant wird Larssons Werk jedoch erst im zweiten Band der Serie. Auch wenn die zweite Hälfte von Verblendung grandios geschrieben ist, beginnt der wahre Fall erst mit Verdammnis und kommt in Vergebung zu seinem Höhepunkt. Dabei beginnt Millennium als herkömmlicher Schweden-Krimi mit interessanten Figuren. Danach verwaschen die Genres und wandelt sich vom Cyber- zum Spionagethriller, der an vielen Punkten fast schon an eine Charakterstudie erinnert. Larsson hat es obendrein tatsächlich geschafft, mich emotional an Charaktere zu binden, von denen ich das niemals gedacht hätte. Wirklich grandios!


Fazit: Wer sich vom doch beträchtlichen Umfang von Larssons Werk nicht abschrecken lässt, den erwartet ein hochspannender Krimi, der zwar sehr langsam in Fahrt kommt, dafür aber extrem detaillierte Charaktere bereit hält. Besonders die ungewöhnliche Beziehung zwischen Mikael und Lisbeth weiß seine Leser zu faszinieren. Leider verstarb der Autor, bevor er seine als zehnteiliges Gesamtwerk ausgelegt Geschichte zu Ende erzählen konnte. Dennoch bietet der finale Teil der Trilogie einen runden Abschluss und beinahe alle offenen Fragen werden beantwortet. Fortgesetzt wird die Geschichte übrigens durch das kürzlich erschienene Buch „Verschwörung“, geschrieben von David Lagercrantz im Auftrag von Larsson’s Familie und dessen Aufzeichnungen. Inwiefern der neueste Ableger die Serie nun würdig fortsetzt bleibt noch offen. Die ersten paar Kapitel sind aber auf jeden Fall interessant, wenn auch anders. Die originale Trilogie bekommt von mir jedoch eine klare Leseempfehlung!