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Ni No Kuni - jetzt bei Amazon.de |
Das Schicksal nimmt seinen Lauf
Die Geschichte beginnt mit dem kleinen Oliver. Er ist ein
ganz normaler Junge und wohnt zusammen mit seiner Mutter Ally im verschlafenen
Motorville. Sein liebstes Hobby ist es, zusammen mit seinem besten Kumpel Phil
Autos zu bauen und an jenem schicksalhaften Tag, sollte ihre neue Karosse
endlich fertiggestellt werden.
Spät nachts schleichst sich Oliver aus dem Haus und besucht
seinen Freund in dessen Werkstatt. Voller Enthusiasmus präsentiert dieser ihm
sein Meisterwerk. Olivers Augen leuchten förmlich, als er das Geschoss sieht
und er kann es kaum erwarten damit eine Spritztour zu wagen. Zuvor muss er
jedoch nachsehen ob die Luft rein ist. Also geht er zur Straße und lugt um die
Ecke. Niemand zu sehen. Doch gerade, als er wieder zurück laufen will, ertönt
plötzlich eine Mädchenstimme und vor dem verwirrten Oliver steht ein Mädchen
mit grünen Haaren. Sie warnt ihn vor etwas, kann aber nicht aussprechen, denn
als Phil auf einmal nach Oliver sieht, ist das Mädel verschwunden. Die zwei
Abenteurer denken sich nicht viel dabei und gemeinsam rollen sie ihr Gefährt
auf eine Landstraße außerhalb der Stadt.
Oliver hat die Ehre und nachdem er seinen Helm aufgesetzt
hat, startet er den Motor. Das Gefährt schnurrt und er tritt ins Gas. Ein
Windhauch fährt ihm durchs Gesicht und Oliver wird immer schneller. Doch
plötzlich gerät alles aus den Fugen. Eine Schraube lockert sich und Oliver rast
auf den Fluss zu. Selbst Phil kann ihm nicht mehr zur Hilfe kommen. Gerade noch
rechtzeitig erscheint Olivers Mama. Sie ist entsetzt und springt beherzt in das
kalte Wasser. Schnell greift sie nach ihrem Sohn und zerrt ihn ans nahe Ufer.
Alles noch einmal gut gegangen. Inzwischen sind einige Stadtbewohner erschienen
und alle sind erleichtert. Doch plötzlich bricht Ally auf offener Straße
zusammen. Die Welt um sie wird dunkel und die Stimme ihres Olivers immer
leiser.
Ein paar Stunden später sitzt der Junge an ihrem Bett. Ihr
Herz scheint sehr schwach zu sein und die Frau fühlt sich kraft los. Mit ihrer
letzten Stärke schenkt sie ihrem Sohn ein Lächeln und stirbt. Olivers Welt
bricht zusammen und tagelang sitzt er weinend in seinem Zimmer. Er gibt sich
die Schuld für Allys Tod und nichts vermag seine Trauer zu lindern.
Doch gerade als jegliche Hoffnung verloren scheint, erwacht
Olivers Stofftier durch seine Tränen zum Leben. Eine kleine rundliche Figur mit
merkwürdigem Sprechstil und einer Laterne an der Nase steht plötzlich vor ihm
und meckert erst einmal richtig rum. Dann stellt er sich als Tröpfchen, den
großen Großfürst der Feen vor und die Gesichte die er Oliver erzählt klingt
ebenso unglaublich wie fantastisch. Er stammt nämlich aus einer anderen Welt
und vielleicht gibt es eine Möglichkeit Olivers Mutter zu retten.
Aller Anfang ist schwer
Nach Tröpfchens langer Erzählung steht Olivers Entschluss
fest. Er will. Nein er muss in diese andere Welt und alles daran setzten seine
Mutter zu retten. Doch ein Problem hat er noch. Wie soll er bloß in die andere
Welt gelangen? Kein Problem für Tröpfchen. Er erzählt ihm von einem mächtigen
Zauber namens Portal. Doch keine Reise ohne Zauberstab. Nach kurzer Suche
begegnet Oliver erneut dem grünhaarigen Mädchen und später findet er an genau
dieser Stelle einen seltsamen Ast. Tatsächlich funktioniert dieser als
Zauberstab und der Weg in eine neue Welt scheint geöffnet.
Voller Ehrfurcht schreibt Oliver die Rune in den Himmel und
ein helles Licht umhüllt ihn und den Großfürsten. Sekunden später erwachen sie
an einem fremden Ort. Da stürmen auf einmal merkwürdige Kreaturen auf sie zu
und nur knapp entgehen sie einem Zusammenstoß. Nachdem Oliver seine Gedanken
wieder gesammelt hat, schreitet er auf einen Hügel und überblickt eine saftig
grüne und fantastische Landschaft. In der Ferne scheint die Silhouette einer
unbekannten Stadt und große Wälder und mächtige Bergketten erstrecken sich über
die Welt. Nun begreift der Zauberlehrling, dass er tatsächlich in einer anderen
Welt ist. In der Ni No Kuni.
Kämpfe mit dem Herzen
Und schon befindet man sich mitten im Geschehen. Wie zu den
Glanzzeiten der JRPGs schreitet man in einer gigantischen Weltkarte zu neuen
Abenteuern. Zu Fuß, mit einem Schiff oder sogar mit einem Drachen bereist man
die namenlose Welt. Doch zu Beginn des Spiels muss man sich erst einmal mit
seinen zwei Beinen begnügen. Über die wunderschöne Oberkarte gelangt man nach
kurzer Zeit ins nahegelegene Katzbuckel. Doch auf dem Weg lauern bereits die
ersten Gefahren. Wilde Kreaturen streifen ständig durch die Lande. Wenn sie
Oliver bemerken, stürmen sie auf ihn zu und lösen einen Kampf aus. Das Spiel
schaltet in einen separaten Kampfbildschirm. Das Kampfsystem erweist sich al
eine Mischung aus traditionellem JRPG-Rundenkampf mit Echtzeit Elementen á la
Dragon Age. Zuerst muss Oliver noch selbst Hand an die Biester anlegen. Doch
schon bald erhält er seinen ersten Vertrauten. Und im Laufe des Spiels stoßen
weitere Kreaturen und sogar menschliche Mitstreiter hinzu. Während man in einem
kleinen Menü die Befehle aussucht, schreitet das Geschehen in Echtzeit voran.
Ähnlich wie beim ATB-System der Final Fantasy Serie. Doch anders als beim
Traditionsspiel kann man das Geschehen jederzeit pausieren um etwa andere
Feinde anzuvisieren. Während dieser ganzen Zeit kann man sich mit dem linken
Analog-Stick frei über das Kampfareal begeben und so taktische Vorteile zu
erringen. Dabei sollte man aber seine Gesundheit im Auge behalten. Denn
sämtliche, bis zu drei Vertraute auf einmal, teilen sich die Lebens- und
Manaanzeige mit ihren Herrchen. Fällt also Olivers schwertschwingender Wicht im
Kampf, war‘s das auch für den Nachwuchszauberer.
Nach dem Kampf gibt’s Erfahrungspunkte und Items. Genau wie
Oliver und seine Kumpanen, steigen auch die Vertrauten ständig im Level auf.
Die verbessert automatisch ihre Werte und erlaubt ihnen den Einsatz neuer, noch
mächtigerer Angriffe. Zusätzlich kann man die Werte seiner Schützlinge mit
sogenannten Leckereien verbessern. Manche steigern sogar den Vertrautheitswert
und erlauben den Einsatz mehrerer Attacken im Kampf. Hat einer unserer Recken einen
bestimmten Level erreicht, kann er durch besondere Leckereien einen
Evolutionssprung vollführen. Ähnlich wie in Pokemon kann sich nämlich jede
Kreatur bis zu zwei Mal entwickeln. Hierfür benötigt man die „Tropfen“, welche
zu den Zeichen des Vertrauten passen. Insgesamt gibt es 4 Formen. Sonne, Stern,
Mond und Planet. Alle auch als Doppelform. Diese Zeichen sind wichtig für den
Kampf und zusätzlich durch den Elementvorteil (Feuer gut gegen Eis, Wasser gut
gegen Feuer, …), eröffnen sich dadurch weitere Möglichkeiten. So ist eine
Kreatur mit dem Zeichen der Sonne etwa einer mit Mondsymbol überlegen, während
er gegenüber einer Stern-Kreatur den Kürzeren zieht. Diese Vorteile erweisen
sich vor allem im späteren Spielverlauf als essentiell.
Eine unbekannte Welt
Schon nach kurzer Zeit kommt Oliver in der Stadt Katzbuckel
an und schnell zeigt sich, dass diese Welt noch viel mehr Unterschiede
aufweist, als zunächst gedacht. Neben all der Magie und den Kreaturen gibt es
auch andere Völker, wie Katzenmenschen und alle fürchten sie einen Feind. Den
dunklen Dschinn. Jener, der die Herzen der Bevölkerung bricht und für Unheil
sorgt. Sein Name. Shadar. Bald schon, erkennt Oliver, dass es seine ultimative
Aufgabe sein wird den bösen Dschinn zu besiegen und die Herzen der Menschen zu
heilen. Dafür benutzt er eine spezielle Phiole. Hat er erst einmal erkannt,
welcher Teil des Herzen bei einer Person gebrochen ist, kann er jemanden
finden, der diesen Teil in üppiger Menge besitzt. Ist jemand faul und
antriebslos, hilft ihm wahrscheinlich eine Portion Enthusiasmus. Ist er
hingegen von Hass zerfressen, hilf ein Quäntchen Liebe. Und damit wäre ich auch
schon beim Zentralen Thema des Spiels. Emotionen. Dieser Leitfaden zieht sich
durch die gesamte Spielzeit und immer wieder werden damit Rätsel und Aufgaben
gestrickt. Manchmal muss Oliver sogar in seine eigene Welt zurückkehren um
heraus zu finden, was mit einer bestimmten Person nicht stimmt. Denn wie er von
Tröpfchen weiß, hat jeder hier in der anderen Welt einen Seelenverwandten auf
der anderen Seite. Weiß man also mal nicht weiter: Einfach nach Motorville
zurück und jemanden suchen, der besagter Person ähnelt.
Doch es gibt noch viel mehr zu erleben. Neben all den
Aufgaben rund um die Rettung der Welt und dem Vertreiben des dunklen Dschinns,
bietet Ni No Kuni unzählige Nebenaufgaben. Viele Rätsel und sogar
Geschichtlichkeitseinlagen. An einer Stelle muss man zum Beispiel zwei Personen
mit jeweils einem Analogstick über einen schmalen Pfad dirigieren. An einer anderen
Stelle benutzt Oliver den Zauber Drahtzieher, um Statuen auf ihren richtigen Platz
zu stellen.
Apropos Zauber. Zu Beginn des Spiels steht dem Zauberlehrling
nur Portal zur Verfügung.Doch es gibt natürlich noch mehr. Sämtliche Sprüche
sind in seinem magischen Begleiter gelistet. Ein dicker Wälzer, der als
Wegführer und Wissenslexikon dient. Leider sind die meisten der Seiten im
Begleiter verloren gegangen und es wird Olivers Aufgabe die fehlenden Seiten
wieder zu erlangen. Man erhält neue Sprüche so gut wie überall. Manche bekommt
man im Storyverlauf, andere während einer Nebenaufgabe. Und die Zauber könnten
unterschiedlicher gar nicht sein. Viele sind für den Kampf gedacht und entfachen
Feuer oder Eis. Andere können auf außerhalb des Gefechts genutzt werden um
Licht zu machen, sich vor Feinden zu tarnen oder sogar mit Tieren oder Geistern
zu sprechen. Klingt nach Skryim? Nicht ganz. Im Vergleich zum RPG-Epos von
Bethesda ist man mit seinen Zaubern wesentlich eingeschränkter. Dies sört aber
meistens nicht, da man Magisches Licht zB nur an finsteren Orten und nicht etwa
unter der hellen Sonne benutzen kann.
Doch im magischen Begleiter steckt noch viel mehr. Er ist
eine Art In-Game Komplettlösung mit Informationen zur Hintergrundgeschichte,
Weltkarte, Objektfundorten, Kreaturenverzeichnis und Alchemieformeln. Hinzu
kommen noch viele Illustrationen und fantastische Kurzgeschichten. Und noch
etwas. Manche Quests verlangen den Einsatz des Buches. Hin und wieder fragen
uns Personen nach bestimmten Wörtern oder Dingen, die wir nur durch den Einsatz
des Buches wissen können. Also blättert Oliver durch die Seiten und sucht nach
der Lösung. Toll gemacht!
Neben dem dicken Wälzer gibt’s aber noch mehr. Im Tagebuch
lesen wir vergangene Ereignisse nach oder erkundigen uns nach aktuellen
Aufgaben oder Monsterjagden. Der sprechende Stein gibt hilfreiche Tipps,
Informationen zu Kreaturen oder Fortschrittsberichte und im Kessel braut Oliver
sich Tränke, Leckereien oder formt sogar Waffen und Ausrüstung. Man sieht also.
Ni No Kuni bietet eine Menge Beschäftigungen um voll und ganz in eine andere
Welt ein zu tauchen.
Ein spielbarer Anime
Schon immer war ich ein riesiger Fan vom fantastischen Look
der Naruto Ultimate Ninja Storm-Serie. Und Ni No Kuni sieht mindestens genau so
genial aus. Wenn nicht sogar besser. Das Charakterdesign von Studio Ghibli ist
wirklich fantastisch. Alles wirkt wie aus einem Miyazaki Film und die
liebevollen Figuren erwachen dank der tollen Technik richtig zum Leben. Auch die
Umgebung sieht, trotz einiger verwaschener Texturen, einfach fantastisch aus
und wenn man die Minikarte am oberen Bildschirmrand ausstellt, kommt man sich
fast wie in einem Film vor. Hinzu kommen die grandiosen Effekte. Eins sollte klar
sein: Olivers Abenteuer ist ein Effektfeuerwerk wie etwas Final Fantasy. Doch
die bodenständige Art, ist herrlich umgesetzt und zB. die Angriffe sehen
einfach toll aus. Genau wie die Animationen der Charaktere.
Neben all dem Lob für die Technik gibt’s ein fast noch
größeres Lob für den Sound. Die Musikstücke von dramatisch und ruhig, über
episch und bombastisch wurden von Joe Hisaishi komponiert, der schon für die
Untermalung vieler bekannter Ghibli Filme verantwortlich zeichnete. Die
Melodien sind sehr eingängig und bereits nach kürzester Zeit ertappte ich mich
imemr wieder, wie ich einzelne Stücke vor mich hin summte. Und auch neben der
großartigen Musik glänzt der Titel durch eine fantastische Sprachausgabe. Egal
ob in Englisch oder Japanisch. Die Sprecher passen stets hervorragend und
leisten eine tolle Arbeit.
Ein episches Abenteuer
Ni No Kuni ist lang. Für viele Spieler, die Call of Duty
oder allgemein die meisten aktuellen Action-Titel gewohnt sind, vielleicht zu
lang. Anders als in den mesiten Spielen, lässt sich Ni No Kuni Zeit. Sowohl beim
Gameplay, als auch bei der Story. Viele Fähigkeiten oder Optionen werden erst
nach und nach freigeschaltet und so verbringt man schonmal 15 Stunden, bevor
man alles machen kann. Doch das stört nicht. Im Gegenteil zu Final Fantasy
XIII, das ebenfalls eine lange Einführung hat, wirkt das Erlebte nicht wie ein
Tutorial. Man freut sich, wenn eine neue Möglichkeit oder ein neues Feature
hinzugefügt wird und eigentlich bin ich froh, dass ich nicht mit der puren
Menge an Gadget gleich zu Beginn erschlagen wurde. Und auch die Geschichte, die
zuerst rasant beginnt, zieht sich anschließend für viele Stunden eher
gemächlich dahin. Oft muss man auch einfach Aufleveln oder man steckt im Bann
einer Nebenaufgabe. Doch dafür zieht die Geschichte im letzten Drittel gewaltig
an. Eine Wendung folgt auf die nächste und obwohl ich dachte das Spiel nach
etwa 25 Stunden durchschaut zu haben, staunte ich nicht schlecht bei der einen
oder anderen Offenbarung. Und so ist man je nach Spielstil und Erfahrung, schon
mal 40 bis 50 Stunden nur mit der Hauptstory beschäftigt. Wer aber wirklich
alles sehen will und jede der über 100 Nebenmissionen erledigen will, kann
locker nochmal 20 Stunden drauf packen.
Fazit: Hach. Ein Fazit, das nur ansatzweise das ausdrückt,
was ich für dieses Meisterwerk empfinde ist schwer zu schreiben. Von der
Ankündigung an, erwartete ich ein tolles JRPG mit einer packenden Geschichte
und alten Japano-Tugenden. Doch meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Ni
No Kuni glänzt mit einer herzerwärmenden Geschichte und gewaltigem Tiefgang,
wie man ihn von Ghibli gewohnt ist. Hinzu kommt eine grandiose Technik und
perfekte Spielbarkeit. Es erfüllt alle Anforderungen an ein JRPG und bietet
sogar noch mehr. Die Geschichte um den kleinen Oliver ist die Geschichte vom
Erwachsenwerden und dem Wandel vom Kind zum Helden. Es steckt eine gewaltige
Portion Liebe in dieser Zusammenarbeit von Level-5 und Studio Ghibli und binnen
kürzester Zeit schafft es das Spiel einen in den Bann zu ziehen.
Für Fans der Filme von Studio Ghibli (Chihiros Reise ins
Zauberland, das Wandelnde Schloss, die letzten Glühwürmchen, …) spreche ich
eine absolute Empfehlung aus. Auch wenn man nicht mit dem Genre vertraut ist,
sollte man den Kauf wagen. Für Fans traditioneller JRPGs ist dieser Titel
sowieso ein Muss und ein absoluter Kaufgrund einer Playstation 3.
Für mich persönlich ist Ni No Kuni: der Fluch der weißen
Königin ein absolutes Meisterwerk mit keinen nennenswerten Mängeln. Das Spiel
nimmt all die alten JRPG Tugenden und wirft sie in ein modernes Gewand. Somit bietet
es endlich das, was ich seit Final Fantasy IX (und auch FF X) so vermisst habe
und tritt in die Fußstapfen der einst so fantastischen Final Fantasy-Serie.
Zurück bleibt das beste JRPG dieser Konsolengeneration und eines der schönsten
Spiele aller Zeiten!!
Danke liebe Entwickler. Genau deshalb liebe ich Videospiele.
In diesem Sinne: Noch viel Spaß in der anderen Welt und viel Erfolg beim
Zaubern!
-euer Genesis